Sonntag, 9. Januar 2011

Nationalpark Talampaya – Kilometer 14587

Der Nationalpark Talampaya kann nur mit geführten Touren entdeckt werden. Wir buchen also für den Nachmittag einen Ausflug – selbstverständlich im 4x4-Bus. Im ausgetrockneten Flussbett des Río Ischigualasto fahren wir durch den Canyon, zu dessen Seiten die roten Felsformationen bis zu 150 Metern nahezu senkrecht in die Höhe ragen.

110108 NP Talampaya (11)110108 NP Talampaya (18)

Zu Beginn der Tour an der Puerta de Talampaya werden uns die Petroglyphen der einstigen Bewohner des Tals gezeigt. Abbildungen von Flora und Fauna sowie spirituelle Zeichen wurden vor tausenden von Jahren auf die Felsen appliziert. Wir können unter den Zeichen eindeutig ausserirdische Wesen erkennen. Wir glauben, die indigenen Völker hatten Kontakt…

110108 NP Talampaya (5)110108 NP Talampaya (8)110108 NP Talampaya (9)110108 NP Talampaya (16)110108 NP Talampaya (31)110108 NP Talampaya (10)110108 NP Talampaya (14)110108 NP Talampaya (22)

Im kleinen botanischen Garten inmitten der Schluchten können wir auf den Algarobbo-bäumen Papageien ausmachen, während hundert Meter über uns die Kondore kreisen. Beim kleinen Apéro mit Weinprobe gesellt sich eine etwa 15cm grosse Heuschrecke zu uns.

110108 NP Talampaya (30)110108 NP Talampaya (19)110108 NP Talampaya (34)110108 NP Talampaya (33)110108 NP Talampaya (27)110108 NP Talampaya (28)110108 NP Talampaya (35)110108 NP Talampaya (29)

Die Nacht verbringen wir auf dem Campingplatz am Besucherzentrum, wo wir die schöne Umgebung geniessen. Ganz anders als im Süden des Landes haben wir nun nicht mehr mit den kalten Dauerwinden zu kämpfen, sondern spüren den feinen Sand und roten Staub, den der (gottseidank nur tagsüber andauernde, warme Wind) überall hineinträgt.

110108 NP Talampaya (39)110108 NP Talampaya (38)

Freitag, 7. Januar 2011

Parque Privincial Ischigualasto – Kilometer 14505

Am Nachmittag um vier Uhr erreichen wir den Provinzialpark Ischigualasto. Beim Besucherzentrum wird uns mitgeteilt, dass wir uns gleich in die Reihe von Fahrzeugen eingliedern können, die bereits vor der Schranke warten. In einigen Minuten startet die nächste geführte Tour durch den Park, wobei man diesen im eigenen Auto durchkreuzt. An mehreren Punkten halten wir, um die skurrilen Landschaften zu betrachten oder Fossilien zu begutachten.

110107 Ischigualasto (6)110107 Ischigualasto (3)110107 Ischigualasto (9)110107 Ischigualasto (8) 

Im Valle de la Luna (Tal des Mondes) fühlt man sich wirklich wie auf einem anderen Planeten. Der momentan ausgetrocknete Fluss Río Ischigualasto hat in der Vergangenheit in diesem Tal die Felsen geschliffen und bizarre Formen hinterlassen. Wasser, Wind, Temperaturen und die Zeit führten dazu, dass sich ebenso skurille Lanschaftsformen wie das Cancha de Bochas (Ballfeld) entwickeln konnten.

110107 Ischigualasto (10)110107 Ischigualasto (16)110107 Ischigualasto (20)110107 Ischigualasto (21)

Mittwoch, 5. Januar 2011

Nationalpark Sierras de las Quijadas und Salina de Mascasin – Kilometer 13995

Nicht weit von Medoza besuchen wir den Parque National de las Quijadas. Einige Kilometer vom Rangerbüro entfernt können wir vom Parkplatz aus eine etwa einstündige Wanderung unternehmen, die mehrere Miradores (Aussichtspunkte) auf ihrer Strecke hat. Die Landschaft ist unglaublich! Während wir im Süden von Argentinien Berge und Seen entdecken konnten, die ähnlich aussehen wie die Landschaften Österreichs oder der Schweiz, haben wir nun steile, rote Felsformationen vor uns, die denen des Bryce Canyon in den USA ähneln. Sicherlich haben die Nationalparks in Amerika noch ganz andere Ausmasse (so wie bekanntlich alles dort), aber eindrücklich ist diese Landschaftsform auch bereits hier in Argentinien.

Am Himmel kreisen die Kondore und Geier, die wir mit unserem Fernglas sehr gut beobachten können. Das Weibchen sitzt am höchsten Punkt des Canyons und bewacht den Nachwuchs, dem sie mit einigen Flügelschlägen immer wieder Kühlung verschafft, während der Macho sich um das Abendessen kümmert.

 110105 NP Sierras de las Quijadas (1)110105 NP Sierras de las Quijadas (6)110105 NP Sierras de las Quijadas (10)110105 NP Sierras de las Quijadas (8)110105 NP Sierras de las Quijadas (11)110105 NP Sierras de las Quijadas (17)

Die Nacht verbringen wir auf dem Campingplatz des Nationalparks. Eine einfache Toilette ohne Wasserspülung (hier ist der Eimer angesagt) sowie ein paar Sitzgelegenheiten reichen aus, um eine Nacht hier zu bleiben. In der Dämmerung können wir Graufüchse ganz nahe beobachten, wie sie um den Campingplatz ziehen auf der Suche nach Futter. Ausserdem hören wir Zirkaden, die sich anhören wie 50-Kubik-Mopeds, die hin und wieder an einer Kreuzung anhalten und danach wieder Vollgas geben – saulustig!

110105 NP Sierras de las Quijadas (12)110105 NP Sierras de las Quijadas (23)

Am folgenden Tag wollen wir Richtung Norden weiterfahren, wo noch einige schöne Naturparks auf uns warten. Um nicht die gleiche Asphaltstrecke, die Ruta 20, wieder knappe 150 Kilometer zurück fahren zu müssen, entschliessen wir uns für eine Abkürzung über Nebenstrassen. Wir fahren über sandige Wege, die kleine Siedlungen passieren, bis zu einem Gatter, was wir verschlossen vorfinden. Hier geht es nicht mehr weiter. Auch der Tipp eines Anwohners, den Schlüssel bei “der Frau mit dem Toyota” abzuholen, hilft uns nicht weiter. Wir treffen nur den Herrn mit Toyota, der keinen Schlüssel besitzt, uns aber einen anderen Weg empfehlen kann. Wir folgen dem Hinweis und gelangen immer wieder in Sackgassen, die zu einzelnen Gehöften führen. Ohne GPS-Gerät hätten wir uns nie so weit in diese Wüste hineingetraut.

An einer kleinen Ansammlung von Häusern, versucht uns eine zahnlose Dame (ihre Tochter fährt sogar eine Weile mit uns mit! Danke!) den richtigen Weg zu weisen: durch die Salinas de Mascasín führt der Weg bis Chepes, wo wir die Ruta 141 erreichen können. Nach den starken Regenfällen der letzten Tage kann es allerdings schwierig sein, diese zu passieren. Dies stellt sich später als Tatsache heraus, weshalb wir umkehren und nach etwa 180 Tageskilometern Offroadtraining à la Rallye Dakar wieder im Parque National de las Quijadas übernachten…

110106 Salina Mascasin (1)110106 Salina Mascasin (3)

Aber schön war es!!!

Sonntag, 2. Januar 2011

Pass am Aconcagua – Kilometer 12915

Unsere erste richtige Passüberquerung steht bevor. Als wir Santiago verlassen, ist es später Nachmittag. Aus den Aufzeichnungen von anderen Reisenden (pinguino-tour.de) wissen wir, dass es vor der Grenze eine Übernachtungsmöglichkeit gibt. An einer kleinen Copec-Tankstelle können wir die Nacht in Ruhe verbringen, bis am frühen Morgen die LKWs an uns vorbei rauschen und einzelne Fahrzeuge den Druck ihrer Reifen direkt neben unseren Kopfkissen überprüfen. Recht gut ausgeschlafen erklimmen wir am nächsten Tag die über 3000 Meter Passhöhe, die uns wieder nach Argentinien zurückbringen.

110102  Guardia Vieja110102 Aconcagua-Pass (1) 

Die Serpentinen hinauf sind unglaublich und leider verpassen wir den richtigen Moment für ein aussagekräftiges Foto. Die Grenzstation ist diesmal nicht ganz eindeutig. Mehrmals kommen wir an Kontrollposten vorbei, die aber nichts tun oder lediglich das Kennzeichen notieren. Erst auf der argentinischen Seite erreichen wir die eigentliche Zollstation. Argentinischer sowie Chilenischer Zoll teilen sich die riesige Abfertigungshalle, die anscheinend auch im Winter ihre Dienste tut, wenn enorme Schneemassen auf den Dächern der Halle liegen. Die Einreise erfolgt ohne Probleme und nach kurzer Zeit passieren wir auf etwa 3200 Metern Höhe den Fuss des Vulkans Aconcagua. Er ist mit 6960 Metern der höchste Berg Amerikas und wir können ihn leider heute nicht ohne Wolken betrachten.

110102 Aconcagua-Pass (3)110102 Aconcagua-Pass (6)

Ab hier geht es bergab Richtung Mendoza. Wir haben uns in der Region mit Christian und Gudrun verabredet, mit denen wir bereits das Auto nach Argentinien verschifft haben. Unterwegs passieren wir die Puente del Inca, die Brücke der Inka, die zu den spektakulärsten Naturwundern Argentiniens gehören soll. Auch wenn es beeindruckend ist, dass die Natur diese Brücke aus schwefelhaltigen Ablagerungen geschaffen hat, haben wir im Süden des Landes doch schon verblüffendere Natureigenschaften kennengelernt.

110102 Aconcagua-Pass (8)110102 Aconcagua-Pass (10)

Einige Kilometer weiter entdecken wir Unmengen von PET-Flaschen am Strassenrand liegen. Dies ist für uns kein neues Phänomen, denn wir kennen auch aus anderen Landesteilen Argentiniens diese Gedenkstätten. Es werden Wasserflaschen zu Ehren der Difunta Correa gesammelt. Einer Legende nach folgte Deolinda Correa ihrem kranken Mann während der Zeiten des 1840-er Bürgerkrieges durch die Wüste von San Juan. Aus Mangel an Nahrung und Wasser starb sie, ihr Säugling konnte jedoch an ihrer Brust überleben. Seitdem wird sie durch die Menschen als Heilige verehrt und Wunder geschehen in ihrem Auftrag. Es ist verblüffend, wie viele Argentinier sonntags zu diversen Pilgerstätten reisen, um die Difunta Correa zu ehren. Aberglaube und katholischer Glaube liegen hier in Südamerika immer sehr nah beieinander. Woran man glaubt, bleibt schliesslich jedem selbst überlassen…

110102 Aconcagua-Pass (11)110102 Aconcagua-Pass (13)

Region Mendoza – Kilometer 13407

Bereits am Grenzübergang Chile-Argentinien schellt das Telefon und wir verabreden uns mit unseren alten Freunden, den “Mitverschiffern” Gudrun und Christian für den Nachmittag auf einem Campingplatz in Las Vegas/ Argentinien. Die beiden haben seit Oktober den nördlichen Teil von Argentinien kennengelernt und so können wir uns an den drei Tagen rund um Mendoza über das bereits Erlebte gut austauschen.

Sehr viele Dinge erleben wir als Mitteleuropäer unterwegs im fremden Land sehr ähnlich, wie zum Beispiel das enorme Müllproblem an den Strassen- oder Ortsrändern oder die immer schallenden “Ghettoblaster” (Radios) der Argentinischen Campingfreunde. Hier zählt, wer den stärksten Bass hat, ist der Gewinner!

110102 Las Vegas (1)110102 Las Vegas (2)

Leider ist das Wetter seit Tomeks und meiner Ankunft in Mendoza eher bescheiden. In den letzten drei Tagen ist gemäss Tageszeitung in dieser Region soviel Regen gefallen, wie im ganzen Jahr 2010. Schön, dass wir das miterleben dürfen!!

Wir geniessen trotzdem diese Region mit all ihren Vorzügen: der rote Malbec und die schwarzen Oliven schmecken hier vorzüglich! Beim ökologischen Winzer Cecchin machen wir eine Weinprobe und können uns sofort für zwei Rotweine (zwei Malbec unterschiedlicher Jahrgänge 2006 und 2008) entscheiden. Beim Weingut Tomasso wurden uns Weissweine versprochen, jedoch konnten wir nach einer weiteren Weinprobe inklusive Führung durch die ehemaligen Produktionstätten wieder nur Rote kosten.

110103 Maipu Weinprobe (1)110103 Maipu Weinprobe (2) 

Nach einem kurzen Spaziergang durch die regnerische Innenstadt von Mendoza, lassen wir uns wieder zu viert auf einem Campingplatz in Stadtnähe nieder, um den vorerst letzten gemeinsamen Abend miteinander zu feiern. Wer weiss schon, wann und wo wir uns das nächste mal wiedersehen?!

Uns hat es jedenfalls sehr gut gefallen und wir freuen uns auf ein nächstes treffen – irgendwo auf der schönen Welt!

110104 Mendoza (1) 110104 Mendoza (2)

Samstag, 1. Januar 2011

Santiago de Chile – Kilometer 12724

Nach unserem Silvester im “Grünen” haben wir uns entschlossen, ein bis zwei Tage in Santiago de Chile zu verbringen. Im Viertel Barrio Brasil angekommen, müssen wir feststellen, dass die Hostals - wie schon vermutet - an diesem Wochenende total ausgebucht sind. Wir machen einen mehrstündigen Spaziergang durch das Zentrum Santiagos. Die Stadt gefällt uns mit ihren Baumbewachsenen Strassen und dem Mix aus alten und modernen Gebäuden. Unser Auto lassen wir in der Obhut von zwei Männern (natürlich keine Offiziellen), die uns einen Parkplatz zuweisen und versprechen, ein Auge auf unser Hab und Gut zu werfen.

110101 Santiago (1)110101 Santiago (4)

Als wir nach unserer Tour durch die Markthalle Mercado Central, dem Besuch des Plaza de Armas mit seiner kolonialen Architektur, dem Beobachten der Gendarmerie (Polizei) auf den Plätzen Plaza de la Constitutión und Plaza de la Ciudanía mit dem Päsidentenpalast (Palacio de la Moneda) sowie dem Bezwingen des Gipfels Cerro Santa Lucía wieder zurückkehren, wird unser  Auto immer noch gut bewacht und wir bedanken uns bei dem Señor mit einem angepassten Trinkgeld.

110101 Santiago (8)110101 Santiago (7)

Nach dem Besuch der Innenstadt schlendern wir noch durch das Viertel Bellavista und geniessen das schöne, sonnige Wetter bei einem grossen Glas Melonen- bzw. Erdbeersaft.