Montag, 7. Februar 2011

Ruta del Che – Kilometer 18636

Wir warten in Tarabuco, bis die Marktstände vor dem Hostal zusammenpacken und wir endlich um viertel nach fünf aufbrechen können Richtung La Higuera. Juliet, Jeff und Stefane sind bereits losgefahren und wir treffen uns am Abend an der Abzweigung bei Tomina Richtung Villa Serano. Am Strassenrand finden wir einen Platz für die Nacht.

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Durch wunderschöne Landschaften geht es bergauf und bergab. Einige Flüsse und Bäche sind zu durchqueren, eine grosse Brücke zu befahren, bis wir am Abend spät in La Higuera ankommen. Wir übernachten auf dem Camping der Posada Casa del Telegrafista gleich nahe der Schule, in der Ernesto “Che” Guevara am 9. Oktober 1967 erschossen wurde. In einem kleinen Museum erfahren wir ein wenig mehr über die letzten Tage von Che; Informationen über den genauen Hergang der Hinrichtung selbst fehlen jedoch.

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Am nächsten Morgen folgen wir der Spur Che’s weiter nach Vallegrande, wo seine Leiche in der lavaderia, im Waschhaus, den Fotografen und somit der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Anschliessend wurde Che in einem Massengrab unter der Piste des Flughafens verscharrt. Als Beweis für den Tod des Rebellen sandte das Bolivianische Militär unter Mitwirkung des CIA die Hände nach Kuba. Lange war der Ort des Leichnams nicht bekannt. Erst 1997 fand ein Ausgrabungsteam aus Kuba nach intensiver Suche das Skelett Che’s und brachte die Überreste nach Kuba.

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Sonntag, 6. Februar 2011

Sonntagsmarkt in Tarabuco – Kilometer 18335

65 Kilometer entfernt von Sucre liegt das Dorf Tarabuco, in dem sonntags einer der bekanntesten und für Touristen beliebtesten Märkte Boliviens stattfindet. Interessant ist er besonders deshalb, weil die Bolivianer (meist Quechua-sprechende Nachfahren der Yampáez oder Mitayos) mit ihren regional typischen Trachten auf den Markt kommen.

Wir bleiben für zwei nächte im Hostal Tarabco (International Hostelling), wo wir auf drei Deutsche treffen, die gerade ihren Zivildienst bzw. ihr freiwilliges Jahr in der Schule und dem Krankenhaus von Tarabuco absolvieren. Ausserdem sind sie mit einigen Arbeiten im Hostalleben voll eingespannt.

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Als wir am Sonntag über den Markt schlendern treffen wir wieder auf Juliet, Jeff und Stefane. Wir beschliessen, gemeinsam die Ruta del Che zu fahren. Aber vorher kaufen Tomek und ich uns noch zwei Umhangstoffe mit bolivianischen Mustern, die wir zu Hause als Bild an die Wand hängen möchten.

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Montag, 31. Januar 2011

Sucre – Kilometer 18229

Sucre ist die Universitätsstadt Boliviens. Die weissen Fassaden der Kolonialhäuser prägen das Ortsbild und machen die Stadt sehr sympatisch. Strassen und Plätze sind sauber, die Menschen freundlich. Wir haben ein sehr schönes Hostal, das Pachamama nahe des Ortskerns, gefunden, wo wir auch das Auto im begrünten, nett gemachten Innenhof abstellen können. Es gibt eine gemeinschaftsküche, in der sich nicht nur die Backpacker treffen, sondern auch die Besitzerfamilie selbst ihr Essen zubereitet.

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Wir geniessen es, durch die Markthalle zu schlendern, kaufen Obst und Gemüse, sowie Gewürze und Brot. Im ersten Geschoss der Halle wird von den Marktfrauen das Mittagessen almuerzo verkauft. Da wir gerne typisch bolivianisches Essen probieren möchten, testen wir am ersten Mittag eine Suppe aus Quinoa, Fleisch und Kartoffeln (für etwa 50 Rappen), am zweiten Tag ein pikantes Fleischgericht mit Paprika und Reis (für etwas mehr als einen Franken). Zum Dessert gibt es jeweils an einem der Fruchtsaftstände im Erdgeschoss einen frisch gemixten jugo. Besonders gut schmecken uns Mango und Tombo, eine Frucht, die wir bis dahin noch nicht kannten. Die Säfte werden wählweise mit Wasser oder Milch gemischt und sind eine richtige Vitaminbombe. Das Flair der Stadt Sucre insbesondere mit dem tollen Markt gefällt uns so gut, dass wir letztendlich fünf Tage bleiben.

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Yotala und Umgebung – Kilometer 18132

Auf dem Weg von Potosí nach Sucre lassen wir bei einer gomeria den defekten Reifen reparieren. Zwei Männer benötigen eine halbe Stunde, nur um die hartnäckige Keramikscherbe aus dem Gummi zu bekommen. Während der Reifen geflickt wird, beobachten wir das Dorfleben, das sich hier entlang der Durchfahrtsstrasse abspielt. Kinder spielen am Strassenrand, streunende Hunde beobachten uns neugierig, Waren werden genauso wie Menschen von überfüllten Lastwagen geladen.

Mit erfolgreich geflicktem Reifen kommen wir einige Kilometer vor Sucre an dem schönen Dorf Yotala vorbei. Heute, am Sonntag, geht alles seinen gewohnten Gang. Menschen kommen aus der Kirche und gehen auf den zentralen plaza, auf dem die Marktfrauen bereits das Mittagessen zum Verkauf vorbereitet haben. In einem schmalen Häusereingang werden wir auf ein Glas chicha eingeladen, ein Getränk aus gegorenem Mais. Es wird aus einem getrockneten Kürbis getrunken und schmeckt sehr erfrischend – vielleicht ein wenig wie Apfelcidre, nur natürlich nicht nach Apfel.

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Wir beschliessen, noch nicht in die Stadt Sucre zu fahren, denn das beschauliche Leben auf dem Lande gefällt uns hier. Die Cordillera de los Frailes westlich von Sucre ist ideal für Ausflüge in die Berge, zu heissen Thermalquellen oder Felsenmalereien einer Präinkakultur. Über Cachimayu versuchen wir den Ort Quila Quila und die nahegelegenen Quellen zu erreichen, um später weiter durch den Krater bei Maragua Richtung Sucre weiter zufahren. Leider reichen die Bolivien-Strassenkarte im Massstab 1:1,25 Millionen sowie die GPS-Karte nicht aus, um den richtigen Pfad durch die Berge zu finden. Immer wieder gelangen wir an einen Punkt, wo uns Einheimische sagen, nach Quila Quila geht es “anders herum”…

Nahe dem Cerro de Obispo (3526m) erreichen wir ein kleines Dorf, dessen Namen wir leider nicht kennen. Ein älterer Herr zeigt uns das ganze Dorf, nachdem wir ihn ebenfalls nach dem rechten Weg gefragt haben. Besonders stolz ist er auf die neue plaza, die mit Springbrunnen, Kinderspielplatz und Sitzbänken für annähernd 40 Personen ausgestattet wurde. Zwanzig Familien leben in diesem Dorf mit etwa 50 Kindern.

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Das Leben auf dem Lande hier spielt sich ab wie in Europa vor Jahrzehnten. Die Felder werden noch per Hand bestellt; lediglich ein Handpflug mit zwei davor gespannten, störrischen Ochsen dienen als Hilfsmittel. Wir dürfen uns sogar im Inneren des Hofes umsehen und die Familie bei der harten Arbeit beobachten. Ausserdem bietet uns der gastfreundliche señor an, vom selbst angebauten und geernteten Mais zu probieren. Es ist eine sehr schöne Erfahrung, sich mit den Einheimischen vor Ort auszutauschen. Auch wenn unser Spanisch bisher nur für die grundlegenden Fragen reicht, verstehen können wir bereits einiges.

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Sonntag, 30. Januar 2011

Potosí – Kilometer 17985

Die mit 4067 Metern über dem Meer höchstgelegene Stadt der Welt erreichen wir am frühen Nachmittag. Durch die schmalen Gassen kommt man mit dem Auto nur sicher ans Ziel, wenn man an jeder Kreuzung genauso wie die Bolivianer einmal kräftig die hupe betätigt, um sich Vorfahrt zu verschaffen. Wir fahren eine ganze Weile durch die Stadt auf der Sucher nach einem Hostal mit Parkplatz. Als wir einen Parkplatz finden, beschliessen wir, die Suche zu Fuss weiter zu führen. Und wir haben Glück – das Hotel San Antonio hat für 140 Bolivianos ein Doppelzimmer matrimonio, einen Parkplatz im sicheren Innenhof und WiFi für uns. Nun müssen wir nur noch das Auto holen und können uns in aller Ruhe de Stadt zu Fuss ansehen.

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Leider kommt es anders: gerade mit dem Auto vom Parkplatz Richtung Hotel gestartet, fahren wir in einer kleinen Seitengasse in eine Keramikscherbe. Diese schneidet ein so grosses Loch in unseren rechten Vorderreifen, dass wir noch mitten in der geschäftigen Stadt den Reifen wechseln müssen.

So kommen wir leider erst später zu unserer Besichtigungstour, als die Sonne schon ziemlich tief am Himmel steht. In diesem gedämpften Licht wirken die farbigen Häuser, die als Ensemble (Spanisches Viertel) von der UNESCO unter Schutz gestellt wurde, besonders schön. Die meisten Häuser im Stadtkern stammen aus der Kolonialzeit und präsentieren sich der Strasse mit überhängenden, künstlerisch geschnitzten Balkonen. Potosí war einmal eine der reichsten Städte der Welt, denn im 17. Jahrhundert haben die Spanier dem dominierenden Berg Cerro Rico eine Menge des Edelmetalls Silber (aber auch Zinn und Zink) entreissen können. Heute bringt der Berg längst nicht mehr soviel Reichtum und die Minenarbeiter riskieren tagtäglich in den Minen ihre Gesundheit und nicht zuletzt ihr Leben. Nur mit einer grossen Menge an Kokablättern sowie 96%-igem purem Alkohol – den wir normalerweise für unseren Reiskocher benötigen – können die Männer “funktionieren”. 

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