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Sonntag, 23. Januar 2011

San Pedro de Atacama – Kilometer 17093

In San Pedro fühlen wir uns sofort sehr wohl. Wie auch die kleinen Dörfer im Norden Argentiniens ist auch San Pedro ein absoluter Touristen-Magnet, aber ein Ort mit viel Charme. Wir finden mitten im Zentrum von San Pedro einen Campingplatz, wo wir leider nur auf einem Parkplatz stehen und übernachten können. Die Wiesen kann man lediglich zu Fuss erreichen und das ist mit dem Dachzelt nun mal nicht möglich.

Am Plaza bei der Kirche kehren wir auf unseren ersten Pisco Sour (Nationalgetränk der Chilenen und auch Peruaner; Longdrink aus starkem Schnaps und Zitronen- oder Limettensaft) in einer CafeBar ein und checken in der WiFi-Zone unsere Emails. Von der Qualität der Restaurants überzeugen wir uns am Abend selbst: Im Ckunna bestellen wir neben einer hervorragenden Flasche Sauvignon Blanc einen Quinoa-Salat, ein Rindersteak sowie ein Lachsfilet. Alles ist sehr liebevoll zubereitet und fürs Auge auf den Tellern drapiert. Mit diesem Restaurant haben wir das Il Casale (Feinschmeckerrestaurant in Wetzikon, Schweiz) von Chile gefunden!

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Salar de Atacama – Kilometer 16962

Die Atacamawüste wirkt auf den ersten Blick wie ein riesiger Acker. Von der Wüste, die man seit Kindheitstagen vor Augen hat, keine Spur. Inmitten der öden Wildnis gibt es einige Lagunen zu entdecken. Auch hier sollen sich Flamingos aufhalten. Laguna Cejar überrascht uns! Als wir am Besucherzentrum ankommen und den Eintrittspreis von etwa 10 Franken pro Person und zwei Tage zahlen, fragt uns der Ranger nach unseren Badesachen. In einer der sehr salzhaltigen Lagunen ist das Schwimmen erlaubt. Das wussten wir nicht und freuen uns auf ein Bad in den Morgenstunden des nächsten Tages. Denn Campen dürfen wir hier auch! Es gibt zwar keine Infrastruktur, aber meistens bedeutet dies gleichzeitig, dass wir die Nacht alleine sind.

Nach dem Sonnenuntergang verlassen die anderen Besucher tatsächlich die Lagunen. Die ersten Touristengruppen erscheinen erst am nächsten Morgen gegen zehn Uhr, als wir bereits gefrühstückt und gebadet haben.

Das Wasser ist so stark salzhaltig, dass man wie auf einer Luftmatratze über die Oberfläche gleiten kann!

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Mittags besuchen wir die Laguna Chaxa. Nachdem wir auch hier wieder Eintritt gezahlt haben, können wir uns einige der Flamingos aus direkter Nähe ansehen. Die sonst sehr schüchternen Vögel lassen uns hier bis auf etwa fünf Meter heran. Sie haben sich an die Besucher hier bereits gewöhnt. 

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Samstag, 22. Januar 2011

Lagunas Tuyajto, Miscanti und Miñiques– Kilometer 16802

Knapp einhundert Kilometer hinter der Argentinisch-Chilenischen Grenze liegen mehrere Lagunen auf etwa 4300 Metern Höhe verstreut. Die Laguna Tuyajto erreichen wir als erstes; sie ist frei zugänglich und wird von hunderten Flamingos bewohnt. Die Lagunas Miscanti und Miñiques gehören zum Nationalreservat “Los Flamencos”. Wir können das Gelände mit dem eigenen Fahrzeug befahren und einen kleinen Spaziergang auf gekennzeichnetem Weg machen. Ausser einer kleinen Vicuña-Familie und weit entfernten, einzelnen Flamingos können wir nicht viel entdecken. Wir haben uns etwas mehr von dem Reservat versprochen und so folgen wir bereits nach kurzer Zeit der Strasse weiter Richtung San Pedro de Atacama.

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Sonntag, 2. Januar 2011

Pass am Aconcagua – Kilometer 12915

Unsere erste richtige Passüberquerung steht bevor. Als wir Santiago verlassen, ist es später Nachmittag. Aus den Aufzeichnungen von anderen Reisenden (pinguino-tour.de) wissen wir, dass es vor der Grenze eine Übernachtungsmöglichkeit gibt. An einer kleinen Copec-Tankstelle können wir die Nacht in Ruhe verbringen, bis am frühen Morgen die LKWs an uns vorbei rauschen und einzelne Fahrzeuge den Druck ihrer Reifen direkt neben unseren Kopfkissen überprüfen. Recht gut ausgeschlafen erklimmen wir am nächsten Tag die über 3000 Meter Passhöhe, die uns wieder nach Argentinien zurückbringen.

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Die Serpentinen hinauf sind unglaublich und leider verpassen wir den richtigen Moment für ein aussagekräftiges Foto. Die Grenzstation ist diesmal nicht ganz eindeutig. Mehrmals kommen wir an Kontrollposten vorbei, die aber nichts tun oder lediglich das Kennzeichen notieren. Erst auf der argentinischen Seite erreichen wir die eigentliche Zollstation. Argentinischer sowie Chilenischer Zoll teilen sich die riesige Abfertigungshalle, die anscheinend auch im Winter ihre Dienste tut, wenn enorme Schneemassen auf den Dächern der Halle liegen. Die Einreise erfolgt ohne Probleme und nach kurzer Zeit passieren wir auf etwa 3200 Metern Höhe den Fuss des Vulkans Aconcagua. Er ist mit 6960 Metern der höchste Berg Amerikas und wir können ihn leider heute nicht ohne Wolken betrachten.

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Ab hier geht es bergab Richtung Mendoza. Wir haben uns in der Region mit Christian und Gudrun verabredet, mit denen wir bereits das Auto nach Argentinien verschifft haben. Unterwegs passieren wir die Puente del Inca, die Brücke der Inka, die zu den spektakulärsten Naturwundern Argentiniens gehören soll. Auch wenn es beeindruckend ist, dass die Natur diese Brücke aus schwefelhaltigen Ablagerungen geschaffen hat, haben wir im Süden des Landes doch schon verblüffendere Natureigenschaften kennengelernt.

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Einige Kilometer weiter entdecken wir Unmengen von PET-Flaschen am Strassenrand liegen. Dies ist für uns kein neues Phänomen, denn wir kennen auch aus anderen Landesteilen Argentiniens diese Gedenkstätten. Es werden Wasserflaschen zu Ehren der Difunta Correa gesammelt. Einer Legende nach folgte Deolinda Correa ihrem kranken Mann während der Zeiten des 1840-er Bürgerkrieges durch die Wüste von San Juan. Aus Mangel an Nahrung und Wasser starb sie, ihr Säugling konnte jedoch an ihrer Brust überleben. Seitdem wird sie durch die Menschen als Heilige verehrt und Wunder geschehen in ihrem Auftrag. Es ist verblüffend, wie viele Argentinier sonntags zu diversen Pilgerstätten reisen, um die Difunta Correa zu ehren. Aberglaube und katholischer Glaube liegen hier in Südamerika immer sehr nah beieinander. Woran man glaubt, bleibt schliesslich jedem selbst überlassen…

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Samstag, 1. Januar 2011

Santiago de Chile – Kilometer 12724

Nach unserem Silvester im “Grünen” haben wir uns entschlossen, ein bis zwei Tage in Santiago de Chile zu verbringen. Im Viertel Barrio Brasil angekommen, müssen wir feststellen, dass die Hostals - wie schon vermutet - an diesem Wochenende total ausgebucht sind. Wir machen einen mehrstündigen Spaziergang durch das Zentrum Santiagos. Die Stadt gefällt uns mit ihren Baumbewachsenen Strassen und dem Mix aus alten und modernen Gebäuden. Unser Auto lassen wir in der Obhut von zwei Männern (natürlich keine Offiziellen), die uns einen Parkplatz zuweisen und versprechen, ein Auge auf unser Hab und Gut zu werfen.

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Als wir nach unserer Tour durch die Markthalle Mercado Central, dem Besuch des Plaza de Armas mit seiner kolonialen Architektur, dem Beobachten der Gendarmerie (Polizei) auf den Plätzen Plaza de la Constitutión und Plaza de la Ciudanía mit dem Päsidentenpalast (Palacio de la Moneda) sowie dem Bezwingen des Gipfels Cerro Santa Lucía wieder zurückkehren, wird unser  Auto immer noch gut bewacht und wir bedanken uns bei dem Señor mit einem angepassten Trinkgeld.

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Nach dem Besuch der Innenstadt schlendern wir noch durch das Viertel Bellavista und geniessen das schöne, sonnige Wetter bei einem grossen Glas Melonen- bzw. Erdbeersaft.

Freitag, 31. Dezember 2010

Santa Cruz und Weinprobe Lapostolle – Kilometer 12418

In Santa Cruz nehmen wir uns das erste mal auf der Reise ein Hostalzimmer! Wir finden nämlich am Abend sonst keinen Campingplatz und auch keinen netten Ort zum Verweilen für die Nacht. Im D´Vid bekommen wir ein sehr schönes Zweibettzimmer inklusive Internet. Die Dame des Hauses spricht sogar ein wenig Deutsch, da ihr Grossvater aus Deutschland nach Argentinien gekommen ist. Unseren Landy können wir im Innenhof sicher parken.

Nach einem etwas mehr als kontinentalen Frühstück mit Nescafe, frischem Brot mit Marmelade, Käse und Schinken starten wir in den Tag, denn wir müssen schon um 10 Uhr beim Weingut Lapostolleim Colchagua Valley sein. Auf einer Tour durch das Weingut und die Produktion möchten wir die Geheimnisse des Wein kennenlernen. Mit diesem Weingut haben wir uns eines der teuersten der Umgebung ausgesucht. Dies liegt ehrlich gesagt daran, dass wir die Architektur wiedererkannt haben. Das Weingut muss in irgendeiner europäischen Architekturzeitschrift veröffentlicht worden sein.

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Die Architektur des Weinguts ist ganz geschickt denen des Produktionsablaufes angepasst worden. Wenn man es besichtigt ist sofort klar, dass ein Weingut nicht anders konzipiert werden sollte. Im obersten Geschoss, in der Eingangshalle des Gebäudes, kommen im März/ April jeden Jahres die Frauen der Umgebung zur Weinlese zusammen. Nachdem der wein per Hand von den Reben geerntet wurde, werden hier – ebenfalls per Hand – die einzelnen Trauben von den Strängen getrennt.

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Im obersten Geschoss werden die Trauben in die grossen Eichenfässer gefüllt. Bei kontrollierter Temperatur durch Klimaanlage sowie einer Art von überdimensionalem Tauchsieder beginnt der Wein nach dem vorsichtigen Stampfen der Trauben mit der Fermentation. Vier Wochen verbleibt der hochwertige Tropfen im Fass, bevor er durch Edelstahlrohre ins untere Geschoss geleitet und in kleinere 220-Liter-Weinfässer gefüllt wird.

Diese Eichenfässer werden – wie auch die grossen im Obergeschoss – aus Frankreich importiert. Der Wein lagert hier im ersten Untergeschoss (Raumbezeichnung “erstes Jahr”) für ein Jahr und wird dann für ein weiteres ins zweite Untergeschoss (“zweites Jahr”) verfrachtet. Danach wird der Wein an separater Adresse in Flaschen abgefüllt. Im ersten Jahr der Produktion 2005 mit den nagelneuen Eichenfässern gelangte der Spitzenwein auf der Weltrangliste auf Platz 1. Diesen konnten wir zwar nicht degustieren, aber der Jahrgang 2008 für 140 US-Dollar die Flasche hat uns am besten geschmeckt!!

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Mittwoch, 29. Dezember 2010

Wasserfall Salta de Laja – Kilometer 11983

Der Panamericana (Ruta5) folgen wir gen Norden und bereiten uns schon auf unsere erste Nacht an einer der gut ausgestatteten Copec-Tankstellen vor, als wir den Hinweis zum Camping Suiza nahe dem Wasserfall Salta de Laja sehen. Dieser Platz wird von einem Schweizer geführt und unterscheidet sich tatsächlich in Punkten Sauberkeit und Ordentlichkeit von den anderen Plätzen – wir dürfen sogar nur für die Hälfte übernachten. Jede Parzelle verfügt über einen Wasseranschluss mit Waschbecken und Abtropfbereich sowie über einen Grill und einen Tisch mit zwei Bänken. Die Energiesparleuchte wird uns vor Einbruch der Dunkelheit in die Fassung gedreht und wir haben neben Licht auch noch Strom für die Elektrogeräte. Luxus pur – wenn da nicht diese fiesen Mücken wären, die uns regelrecht auffressen! Also wieder mal Zeit, ins Zelt zu gehen, denn auf unser Mückenfernhaltemittel von Autan springen sie nicht an!

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Am folgenden Morgen besuchen wir den nahegelegenen Wasserfall Salto de Laja. Aus etwa fünfzig Metern Höhe fallen die Wassermassen herab auf den im seichten Wasser angesammelten Müll aus PET-Flaschen und Autoreifen. Blendet man dies einmal aus – wie man es in so vielen Gegenden Südamerikas tun muss – hat der Wasserfall etwas Nettes an sich!

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Freitag, 10. Dezember 2010

Auf der Carretera Austral – Kilometer 9386 bis 10497

Die 1240 km lange Carretera Austral gehört gemäss Reiseführer zu den “ultimativen Fernstrassen der Welt”. Sie führt auch heute noch durch unglaublich schöne Landschaften, hat aber einiges an ihrer Originalität eingebüsst!

Am Chilenischen Grenzübergang Chile Chico am Lago Buenos Aires/ Lago General Carrera werden wir das erste mal gnadenlos gefilzt. Da wir angegeben haben, Lebensmittel mitzuführen, wird an dieser Grenzstation das Auto komplett durchsucht. Während eine Angestellte der Zolldirektion die Schränke und Schubladen im Innern des Fahrzeugs durchsucht, begibt sich ihr Kollege aufs Dach des Landys. Nach etwa einer Stunde werden ein kleiner Rest Koriander, 800 Gramm Linsen und eine kleine Menge an gemischten Körnern konfisziert. Das Pfefferspray wird genauestens untersucht, zur Kontrolle mit ins Zollbüro genommen und schliesslich nicht als Waffe deklariert. Da auch unter den Sitzen, zwischen Bord- und Zusatzbatterie, in den Metallboxen auf dem Dach sowie in den Taschen der Sitzbezüge keine Drogen oder weitere nicht deklarierte Waren gefunden werden, dürfen wir unsere Fahrt auf der  Carretera Austral weiterführen. Am Lago General Carrera übernachten wir zuvor aber eine Nacht auf einem schönen Campingplatz in der Bahia Jara direkt am Wasser. Es gibt viele Bäume, die uns vor dem sehr starken Wind schützen, sowie kleine Pavillons mit Tischen, Bänken und Grilleinheiten. Leider sind die Sanitärräume in so dreckigem Zustand, dass wir diese nicht benutzen.

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Die ersten Kilometer der Carretera Austral, die wir befahren, sind noch immer Schotterpiste und führen durch uralte Südbuchen-Wälder entlang von steilen Berghängen. Oft wundern wir uns, dass hier überhaupt eine Strasse errichtet werden konnte. Überall ist üppige Vegetation zu beobachten. Wir sehen in voller Blüte stehende Fuchsienbüsche, gelbe, weisse und violett farbene Lubinen, meterhohe Bambusbüsche, Riesenfarn und grosse grüne Blätter mit einzelnen brombeerfarbenen Blüten der Nalca-Pflanze, die auch als Mammutblatt oder Riesenrhabarber bezeichnet wird.

Bei Puerto Tranquilo finden wir den hübschen und sehr gepflegten Campingplatz Pudú, wo wir die See- und Bergkulisse, sowie die saubere und heisse Dusche geniessen.

Auf dem weiteren Verlauf der Carretera Austral wechseln türkisblaue Flüsse mit tiefgrünen Lagunen, Schotterpiste mit Asphalt und tiefste Wildnis mit Weideland von Schaf- und Rinderherden. Leider nehmen die asphaltierten Strassenabschnitte und stark bewohnten Landstriche zu, so dass man kaum mehr Chancen hat, die unberührte Natur zu erleben. Weidezäune und Gatter trennen uns immer wieder von den schönsten Kulissen. So bleibt uns oft nichts anderes übrig, als durch die eindruckvollsten Gegenden einfach hindurch zu fahren ohne einen einzigen Stopp. Auch die Suche nach dem idealen Schlafplatz gestaltet sich sehr schwierig!

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Im Nationalpark Queulat nahe des Pazifik finden wir eine schöne abgelegene Stelle zum Verweilen und Übernachten am Fluss. Bevor wir unser Zelt aufschlagen, werden die ersten Angelversuche auf dieser Reise unternommen. Doch trotz der sehr guten Ausstattung, geben wir nach ein paar Stunden auf, da bei den kühlen Temperaturen sämtliche Gliedmassen abzusterben drohen.

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Die artenreiche Natur benötigt natürlich ein existenzförderndes Klima: wir befinden uns in der Zone des “kalten Regenwaldes“. Dieser ist einzigartig in der Welt und unglaublich interessant zu durchfahren und zu betrachten. Aber nach drei vollen Tagen und Nächten durchgehender Landregenfälle, bleibt uns nicht viel Zeit und Lust für eine intensivere Entdeckung dieser Region ausserhalb unseres Reisemobils. Der Ausflug zum südlichen Teil des Parque Pumalin Sektor Amarillo führt uns zur nahe gelegenen natürlichen Therme. In einem Aussenpool gefüllt mit heissem Wasser, das hier aus dem Untergrund hervorsprudelt, können wir uns noch zwei Stunden aufwärmen, bevor das Bad um 20 Uhr schliesst. Der einige Kilometer entfernt gelegene Parque Pumalin, ein Naturreservat, das der US-amerikanische Unternehmer Douglas Tompkins gekauft, geschützt und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt hat, wird von vielen Reisenden beschrieben und gelobt. Also statten auch wir ihm einen Besuch ab und schlagen unser Zelt auf dem grösseren freien Campingplatz auf. Am Morgen werden wir von zwei Rangern geweckt. Freundlich weisen uns die beiden darauf hin, dass der Park offiziell erst wieder Mitte Dezember eröffnet wird. Zu Lesen ist dies leider nur im Internet, nicht aber auf den Hinweistafeln vor dem Park, weshalb wir uns entschuldigen und unsere Weiterfahrt nach Chaiten antreten.

Chaiten, in den Reiseführern noch immer als Geisterstadt bezeichnet, hat 2008 einen starken Vulkanausbruch erleben müssen. Der Ort wurde evakuiert, aber so langsam kehren viele der einstigen Bewohner zurück. An den Strassenrändern können wir immer noch Aschehaufen erkennen, die bei den Aufräumarbeiten von Strassen und Grundstücken gefegt wurden. In einem Cafe am Ortsrand, das gleichzeitig Hotel, Restaurant und Unternehmensbüro zu sein scheint, trinken wir einen Kaffee und bewundern die improvisierende Besitzerin des Cafes: die Wünsche der Kundschaft werden im Nu erfüllt, auch wenn man hierfür nochmal kurz im Laden um die Ecke Nachschub kaufen muss!

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